Zugehörigkeit

(Lesedauer ca. 2 Minuten)

Viele, die zu mir kommen, leiden darunter, sich nicht zugehörig oder verbunden zu fühlen. Wie entsteht Zugehörigkeit? 

Häufig kommt es in den Therapien zum Gespräch über das Gefühl – meist das fehlende Gefühl – der Zugehörigkeit. „Gefühl“ ist hier ein schwieriges Wort, auch wenn Patienten es normalerweise so aussprechen: ich fühle mich nicht zugehörig. Vielleicht kann ich es besser einen Zustand nennen, oder auch eine Haltung.

Sich nicht zugehörig fühlen: bin ich ohnmächtig?

Interessanterweise fühlen sich die, die sich über fehlende Zugehörigkeit beklagen, ohnmächtig in diesem Zustand. Es geschieht ihnen, der Zustand ist nichts, was sie tun oder wozu sie beitragen.

Aber aus welcher Quelle kommt denn dann die Zugehörigkeit?

Ich entscheide mich für Zugehörigkeit

Zugehörigkeit entsteht in mir. Ich allein „entscheide“ über mein Gefühl der Zugehörigkeit. Man kann das leicht nachvollziehen. Zugehörigkeit entsteht nämlich beim Kümmern um ein gemeinsames Drittes. Das können gemeinsame Gefühle oder eine gemeinsame Arbeit sein. In diesen Tagen brannte Notre Dame in Paris. Selbst Menschen, die nie in Paris waren, aber fühlen konnten, welche Bedeutung der Bau und damit der Brand für die Franzosen hat, fühlten sich den Franzosen in der Trauer zugehörig. Wir haben ein Gefühl geteilt. Ähnliches funktionierte beim Anschlag auf die Twin-Towers in New York. Eine Voraussetzung war damals wie heute ein Mitgefühl mit den anderen. Im Hass funktioniert das natürlich anders, der ist ja auch der Zugehörigkeit gerade gegenübergestellt! Von Al-Qaida-Kämpfern ist daher auch kein Zugehörigkeitsgefühl zu erwarten, egal, was im verhassten Westen brennt.

Also hat mein Gefühl der Zugehörigkeit etwas damit zu tun, wie ich mich kümmere um ein gemeinsames Drittes. Ich habe es in der Hand.

Zugehörigkeit entsteht bei Selbstoffenbarung

Zugehörigkeit entsteht außerdem bei Begegnungen ohne Maske. Das ist besonders häufig in der Psychotherapie zu erleben. Wenn sich ein Patient in der Einzel- oder Gruppentherapie offenbart, erlebt er oder sie unmittelbar Zugehörigkeit. Ganz selbstbestimmt! Der Rahmen ist natürlich auch gegeben: die anderen hören zu und fühlen sich ein. Oder stellen zumindest Fragen dazu. Und schon passiert es. Wer in der gleichen Gruppe seine Mauern hochzieht und sich hinter seinem Visier verschanzt, erlebt keine Zugehörigkeit. Wie oft habe ich das erlebt.

Zugehörigkeit: eine Haltung, kein Gefühl

Daher bin ich mir sicher, dass Zugehörigkeit etwas ist, das man selbst gestalten kann. Dieser Zustand geschieht nicht, man macht ihn. Deswegen ist Zugehörigkeit auch eher eine Haltung als ein Gefühl.

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