Interessen und Grundsätzliches zu Psychotherapie

Hier finden Sie ein paar Gedanken zu dem, was mir bei der Arbeit besonders wichtig ist.

Ein sehr empfehlenswerter Einstieg ist auch die Serie von vier Artikeln aus dem Februar 2020 im Blog.

Kontakt und Verbindung fördern Entwicklung

Seelische Entwicklung gelingt leichter im Kontakt und in der Verbindung mit Menschen. Meist ist sogar ein Kontakt zwischen 2 Menschen unabdingbar, um in der Tiefe mit seinem Thema präsent sein zu können. So gelingt auch ein Kontakt zu sich und zu den schwierigen Stellen im Inneren. Daher lege ich Wert auf einen authentischen Kontakt und eine Verbindung mit dem Gegenüber. Dies ist auch die Grundlage für gewinnbringende intuitive Arbeit, die Ressourcen aus dem Unbewussten schöpft, die dem Bewusstsein nicht zugänglich sind oder für die das Bewusstsein zu langsam ist. Hier finden Sie noch ein paar Gedanken mehr dazu.

Psychotherapie ist keine Be-Handlung. Sie ist eine Entdeckungs- und Forschungsreise und eine Einladung. 

Psychotherapie als Einladung in Gesundheit

Man könnte jede ärztliche Tätigkeit als eine Einladung in Gesundheit beschreiben (ich gehe der Einfachheit halber jetzt einmal von wohlmeinenden integeren Ärzten aus). Und wenn ich ein Medikament nehme oder mich einer Operation unterziehe, ist das eine Einladung an den Körper, sich mit seinen Selbstheilungskräften zu heilen. Der lebendige Organismus folgt dieser Einladung – oder auch nicht.

Psychotherapie als Begegnung

In diesem Sinne sehe ich Psychotherapie als eine Begegnung, die als eine Einladung wirkt. Die Begegnung selbst ist schon eine Einladung, und das Geschehen in der Begegnung ist wieder eine Abfolge an Einladungen. Es ist wie ein „Hast Du Lust, das mit mir zu spielen?“ Und zwar nicht einseitig: Ich lade ein, und Du lädst ein, und jeder von uns „spielt“ mit oder lässt es bleiben. In einer Begegnung frage ich dann immer wieder, ob das Sinn für uns macht, ob das noch in die „richtige Richtung“ geht, ob es hilft oder schadet, was wir tun. Meist können wir das beide spüren. Manchmal bezweifle ich, ob das hilft, was wir tun, und dann frage ich nach, und manchmal spiele ich nicht (mehr) mit, weil ich das Spiel nicht (mehr) spielen will, zu dem ich eingeladen werde, und das gleiche gilt auch für mein Gegenüber.

Psychotherapie als Forschungsreise

Manche Patienten kommen zu mir und wollen behandelt werden. „Machen Sie eine Hypnose, damit das und das verschwindet!“ „Machen Sie eine Traumatherapie, damit mein Trauma weg geht!“

Meist antworte ich darauf mit der Einladung in eine gemeinsame Forschungsreise. Dazu stelle ich Fragen wie „Was haben wir gerade getan, dass Sie sich jetzt lebendiger fühlen (statt depressiver)?“ oder auch „Wie kommt es jetzt dazu, dass Sie sich gerade etwas schlechter fühlen?“ Dabei erforsche ich gerne das, was im Hier und Jetzt geschieht, weil es so unmittelbar zu erkennen ist, und weil wir sofort etwas anderes ausprobieren können, wenn wir wollen. Auch komplexere „Interventionen“ sind Einladungen in ein Erkennen, einen anderen Zustand, in eine neue Erfahrung oder ähnliches.

„Ich habe keinen Leitfaden, und ich habe keine Liebe mehr, die ich dir geben könnte. Ich habe dir nichts zu geben, was du nicht bereits wüsstest. Das Einzige, was ich dir anbieten kann, ist ein Ort, an dem du – du allein – lernen wirst, dir zu helfen.“

Fritz Perls, gefunden in Jorge Bucay „Selbstbestimmt leben“ S.117
Probleme von Restriktionen unterscheiden

Ich unterscheide zwischen Problemen und Restriktionen. Für beide gibt es ganz unterschiedliche Lösungen. Probleme kann man mit einer Veränderungsabsicht vernünftig angehen. Restriktionen können nicht verändert werden. Zu ihnen kann man sich aber verhalten, man kann mit ihnen umgehen oder seinen Frieden mit ihnen schließen.
Beispiel für ein Problem: „Ich verstehe die Bewohner von Paris nicht“.   Lösung: „Ich lerne jetzt Französisch“.
Beispiel für eine Restriktion: „Das Wetter ist neblig-kalt.“ Lösung: „Da ich das Wetter nicht verändern kann, ziehe ich mich warm an“.

Leben ist keine Selbstsabotage

Niemand sabotiert sich selbst (bewusst oder unbewusst), auch wenn die erlebten Auswirkungen von Symptomen das manchmal so erscheinen lassen. Wenn es zu Leiden kommt, das den eigenen Veränderungsmöglichkeiten zugänglich ist, findet sich (so gut wie immer) eine verstehens- und anerkennenswerte Seite hinter dem unerwünschten Leid. Eine Veränderung ist leichter möglich, wenn die positive Absicht z.B. eines Symptoms verstanden und sogar anerkannt werden kann.
Beispiel: „Ich bin immer depressiv. Damit kontrolliere ich die aggressive Seite in mir, die sonst die Ehe gefährdet“. Der Weg hier ist die Antwort auf die Frage: „Wie kann ich konstruktiv, ja sogar gewinnbringend mit dem aggressiven Potential umgehen, vielleicht gerade in der Ehe?“

Veränderung nur ohne Schuldgefühle

Veränderung ist leichter ohne die Schuldfrage. Deswegen lautet mein Grundsatz zur Veränderung: „Erkenne und anerkenne (das Problem) – werte nicht – handle (wie es jetzt richtig erscheint)!“
Destruktiv ist folgende Reihenfolge: Erkennen – verurteilen (andere oder besonders sich selbst) – alles beim Alten lassen (denn angesichts der Verurteilung käme eine Änderung ja einem gesichtsverlierenden Schuldeingeständnis gleich).

Jedes Leben benötigt Kraftquellen, psychische Veränderung allemal. Deswegen lege ich Wert auf das Auffinden und die Entwicklung von verfügbaren Ressourcen. Eine der wichtigsten Ressourcen ist die innere Achtsamkeit. Darunter verstehe ich den guten Kontakt zum inneren Wissen um die eigenen Bedürfnisse, Werte, Fähigkeiten und Grenzen. Dies wird mit einem stimmigen Kontakt zum eigenen Körper erfahrbar.

Ein paar Interessen

Psychosomatosen:
Als Arzt bin ich ganz besonders am Zusammenhang von Körper und Seele interessiert. Wie bei vielen seelischen Schwierigkeiten oft die körperlichen Faktoren nicht von der Hand zu weisen sind, so setze ich bei der Überwindung körperlicher Erkrankungen auf Einflüsse aus dem seelischen Bereich. Neben der Therapie der körperlichen Erkrankung kann deswegen eine Einflussnahme der psychischen Bedingungen sehr hilfreich wirken. Hierbei beachte ich auch den spirituellen Aspekt des Mensch-Seins.

Männer/Frauen:
Seit 1991 beschäftige ich mich bewusst mit dem Thema „Mann-Sein“ und Männerentwicklung. Nach Jahren eigener Erfahrungen in einer Männerselbsterfahrungsgruppe habe ich mit Freunden das Männerbüro Karlsruhe gegründet. Viele Jahre habe ich selbst Männergruppen geleitet und wurde immer wieder von Männergruppen zur Gestaltung von Seminaren eingeladen. Ich habe für Jungen im Grundschulalter an vielen Karlsruher Schulen Kurse zur Besserung der Selbstbehauptung und Selbstwahrnehmung gehalten.

Seit Jahren habe ich meine Aktivitäten hier heruntergefahren. Zunehmend lote ich den Raum zwischen Mann und Frau aus, und der Kontakt mit der Weiblichkeit bzw. den Eigenschaften, die den Frauen inne wohnen und ihnen zugeschrieben werden, wird wichtiger – in mir und im Kontakt mit Frauen.

Veränderte Bewusstseinszustände und Schamanismus:
Hypnotherapie arbeitet an vielen Stellen mit veränderten Bewusstseinszuständen. Überhaupt wechselt im Alltag das Bewusstsein immer wieder seine derzeitige Ausgestaltung. Manchmal verlieren wir uns in Träumen, dann wieder sind wir hoch konzentriert bei der Arbeit mit einem tiefen Gefühl der Zufriedenheit oder wir plaudern uns mit Freunden immer mehr in eine kreative und gemeinsame Urlaubsplanung hinein.

Neben den modernen hypnotherapeutischen Verfahren mit veränderten Bewusstseinszuständen (wissenschaftlich „Trance“ genannt – „Hypnose“ ist der Prozess, der zur Trance führt) zu arbeiten, interessieren mich die althergebrachten und hochwirksamen Verfahren des Schamanismus und psychedelische Zustände, wie sie z.B. durch Hyperventilationstechniken hervorgerufen werden können.

Hypnotherapie bezeichnet inzwischen weitgehend die Form der Arbeit nach Milton Erickson, dem wohl bekanntesten Hypnotherapeuten den 20. Jahrhunderts. Es gibt noch andere Formen der Hypnosetherapie, die klassische Hypnosezustände benutzen, insbesondere medizinische Hypnose.

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