Willkommen in der Psychotherapiepraxis Michael Schwehn in Karlsruhe

Dr. med. Michael Schwehn
Ärztlicher Psychotherapeut
Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie

Rastatter Str. 47
76199 Karlsruhe (Rüppurr)
0721-9891130
praxis(a)michael-schwehn.de

Sprechzeiten nach Vereinbarung – Privat und gesetzliche Kassen
Einzeltherapie – Gruppentherapie – Selbsterfahrung

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Ich muss – Ich entscheide mich

Muss man wirklich etwas? Welchen Zwängen unterliegen wir? Wie wirkt sich der innere Dialog aus, wenn es ums „Müssen“ geht?

Wenn sich Menschen durch Einstellungen „ich muss halt“ beeinträchtigt fühlen, schlage ich zur Erforschung dieser Fragen folgendes Experiment vor:

Nimm Dir eine Woche Zeit. In dieser Woche achtest Du auf Deinen inneren Dialog, und zwar auf alle Formulierungen, wo ein „ich muss … “ auftaucht: „Es ist 6 Uhr, ich muss aufstehen.“ „Jetzt muss ich schon wieder an der Ampel anhalten!“ „Wir müssen heute noch einkaufen.“

Dann ersetzt Du völlig mechanisch das „Ich muss“ durch ein „Ich entscheide mich“. Das kannst Du wie ein Computer machen: Suchen und ersetzen. Du musst nicht einmal den Tonfall der inneren Stimme verändern, der darf weiter genervt bleiben. Nur die Worte werden getauscht.

Und Du wartest ab, was sich nach einer Woche geändert hat.

Ein echtes „Ich muss“ gibt es in meiner Wahrnehmung nur, wenn man mit Gewalt zu etwas gezwungen wird, also z.B. in Handschellen abgeführt wird. Da gibt es keine Wahl. An der roten Ampel aber habe ich eine Wahl. Ich könnte mit 100 Sachen darüber rauschen. Die Konsequenzen muss ich eben tragen. Den Führerscheinentzug z.B. Oder Schlimmeres. Um der Strafe auszuweichen kann ich mich entscheiden, an der Ampel stehen zu bleiben. Zu Fuß gehe ich aber vielleicht doch über eine rote Ampel, die ich als Autofahrer zuverlässig achte. Ist das nicht ein Beleg für die Entscheidungsfreiheit angesichts der Straßenregeln? Eigentlich ist die Existenz einer Regel schon der Beleg dafür, dass man sich frei dafür oder dagegen entscheiden kann, sonst müsste man ja kaum eine Regel aufstellen. Das gilt auch für alle anderen Situationen, in denen ein „Du musst“ auftaucht.

Die meisten, die sich dieses Experiment eine Woche gönnen, erzählen mir von einer viel größeren gefühlten Freiheit und mehr Zufriedenheit dadurch.

Auch Beziehungen können davon profitieren, wenn das „Wir müssen“ oder „Du musst“ durch andere Sprachformen abgelöst wird: „Wir müssen heute nicht einkaufen. Da ich aber gerne morgen das leckere Frühstück haben mag, werde ich mich mal jetzt auf die Socken machen.“