„Ich liebe Dich“

Der Satz „Ich liebe Dich“ ist unwahr, sobald man ihn ausspricht. Oder denkt. Oder schreibt. Liebe ist nichts, was das Ich erzielen oder herstellen kann.

Vor 2 Monaten habe ich in einer Gruppe den Satz „Ich liebe Dich“ hinterfragt, ohne näher darauf eingehen zu können. Hier möchte ich gerne schreiben, was ich dazu denke.

Was bedeutet „Ich liebe Dich“?

Ein Ego will seine Verbundenheit mit einem anderen Ego ausdrücken. Diese Verbundenheit kann Begierde, aber auch Fürsorge sein. Das Ego, das sagt: „Ich liebe Dich!“ will etwas vom anderen oder für den anderen. Würde man sonst sagen „Ich liebe Dich?“ Bestimmt nicht! Z.B. will ich Sex. Oder „ich will doch bloß, dass es Dir gut geht!“ Dann sage ich, dass ich Dich liebe. Sonst sage ich es nicht. Ich sage das zu meinem Partner oder zu den Kindern.

Das ist nicht verwerflich. Man darf auch „Liebe“ dazu sagen. Es ist nur nicht das, was ichunter Liebe verstehe. Man könnte leicht andere Worte dafür finden, die das Verhältnis oder das Tun besser ausdrücken. So hat mir neulich ein Mann erzählt, wie er einer Frau sagte: „Ich liebe Dich!“ Von ihrer Seite kam betretene Distanzierung zurück. Ist das, was hier passiert, Liebe? Wohl eher Begehren, Sehnsucht, Träumerei und ähnliches von Seiten des Mannes. Dann könnte man das auch so sagen: „Ich begehre Dich!“, „Ich träume von Dir“, „Ich verzehre mich nach Dir!“. Dabei wird dann rasch deutlich, dass das Ego spricht. 

Wie gesagt, das ist nicht schlimm oder verwerflich! Das darf alles so gefühlt und ausgesprochen werden. Das ist ausgesprochen menschlich. 

Wenn zwei sich lieben

Wenn zwei Verliebte sich gegenseitig versichern: „Ich liebe Dich!“, kann das sehr schön sein. Es ist für das Ego immer schön, sich im anderen gespiegelt zu sehen. Das darf man sich gerne gönnen. Auch, wenn es von anderen als Narzissmus abgewertet wird. Ich finde nur, man sollte es nicht Liebe nennen.

Kann man vielleicht nicht wahrhaftig sagen „Ich liebe Dich“?

Liebe ist etwas, was nicht bedingt werden kann. Sie ist das, was da ist, wenn keine Bedingungen aufgeboten werden. Liebe geschieht oder ist da, wenn Wuwei da ist: „Nichts machen und nichts wegmachen“. Eigentlich ist Liebe immer da, sie kann nur durch Wollen und Machen und Wegmachen verhindert werden. Und das natürlich ein Leben lang.

Wenn man daher von Liebe sprechen will, könnte man besser sagen: „Schau mal, es liebt hier gerade!“ Und diese Erfahrung ist nicht auf ein Gegenüber beschränkt. Wenn es hier gerade liebt, schließt dies alles ein, sonst ist es wieder bedingt („Nur Du!“). Und jede Bedingung lässt die Liebe verschwinden – oder besser gesagt: den Kontakt zur Liebe.

Das ist das Schwierige daran: Liebe lässt das Spezielle verschwinden. Nicht einmal mehr der Partner ist etwas Spezielles und Besonderes. Und das macht Angst und Traurigkeit, denn es untergräbt die vermeintliche Sicherheit. Hier finden Sie mehr dazu.

Liebe erfüllt

Wenn aber Liebe geschieht, ist das ziemlich unbeschreiblich umhüllend und erfüllt mit tiefem Frieden.

Wäre es nicht lohnenswert, eine Forschungsreise in Sachen Liebe zu unternehmen? Und zu überprüfen, ob das so ist, wie ich es hier skizziere?