Den richtigen Weg im Leben finden

(Lesedauer ca. 2 Minuten)

Kann es den richtigen Weg im Leben geben? Ist es nicht eher so, dass alle Wege, die man einschlagen kann, richtig sind?

Jede Arbeit, in die ich mich vertiefe, führt zu Freude

Vor über 25 Jahren habe ich in der Röntgenabteilung eines Krankenhauses gearbeitet. An einem ganz normalen Arbeitstag wurde mir bewusst, dass ich an jeder Arbeit, in die ich mich vertiefe, Interesse und Freude finden kann. Es gibt auch am tausendsten Röntgenbild einer Lunge nichts Langweiliges. Ich sehe einfach immer wieder tief hin und entdecke, was da ist.

In diesem Augenblick – und das weiß ich, als wäre es erst gestern gewesen – dachte ich mir: „Wenn das so ist, dass Du bei egal welcher Tätigkeit in Freude eintauchen kannst, dann kannst Du auch sprechende Medizin machen!“

Ist dieser Gedanke „… dann kann ich ja auch wechseln!“ überraschend, verrückt und absurd?

Ich mache immer das Richtige!?

Ich meine, dass in diesem Augenblick folgendes passiert ist:

Lange habe ich versucht, das „Richtige“ zu finden, das „Richtige“ zu tun, auch in meiner Arbeit. Eigentlich bin ich so aufgewachsen, diese Forderung war quasi mein Korsett. Wie könnte ich wohl „am besten“ zu meiner Arbeitszufriedenheit und letztlich zu meinem Lebensglück finden? Mit „am besten“ habe ich „die einzig richtige Weise“ – denn nur die ist die beste Weise – gleich mitgedacht.

Dann wurde mir plötzlich bewusst, dass ich ja das Richtige mache. Dass ich immer das Richtige mache. In diesem Augenblick wird die Welt weit. Die Angst vor der dummen Entscheidung, in die falsche Richtung zu gehen, verschwindet. Dann steht alles offen. Und es entsteht ein unmittelbarer Kontakt zu dem, wonach mir wirklich ist, unabhängig von allem Druck („Das muss jetzt aber das Richtige sein!“) und frei von aller Zielerreichung („Das muss jetzt gelingen und zum Glück führen“).

In dieser Freiheit ist es ganz leicht, sich zu spüren, Richtungen zu wechseln, etwas auszuprobieren und Experimente zu wagen. Denn die Lebensfreude entsteht auf alle Fälle, wenn ich sie nicht mit Druck und Zwang erschaffen will. Sie entsteht vor allem, wenn ich mich dem überlasse, wonach mir wirklich ist, und nicht meine, das Richtige machen zu müssen.

Der Mut, sich zu entfalten

Das „wonach mir ist“ kann ich auch als Innenverbindung, eine Verbindung mit dem Herzen oder dem eigenen Kern, beschreiben. Die Impulse, die von hier kommen, sind klar und stimmig. Sie haben auch Bestand, wenn ich sie deutlich wahr nehme und bewusst erkenne. (Andere Impulse verschwinden und werden unwichtig, wenn ich sie bewusst sehe).

Es ist der Mut, sich zu entfalten. Als der, der ich bin. Und mich nicht in etwas anderes hinein zu pressen, was jemand anderes – die Eltern, die Gesellschaft, meine Frau – von mir will.

Am besten mache ich einfach, wonach mir ist

Ich habe mich damals dann spontan an eine Bewerbung in der Psychiatrie gemacht, und im Fokus auf die Psychotherapie finde ich heute noch eine satte Arbeitsfreude.

Bis heute denke ich, dass ich nicht „das Falsche“ machen kann. Am besten mache ich einfach nur, wonach mir ist. Dann kommt das dabei heraus, was jetzt z.B. meine Arbeit ist, einschließlich der interessanten Workshops und Experimente….

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